Xylipse Records drache

Rick Martell: Jetzt rede ich


Auszüge aus meiner in Kürze erscheinenden Biographie Die Wahrheit über die Wiener Schnitzel....

Vieles im Bericht der Xylipse-Redaktion über meine Person ist tatsächlich wahr. Tatsächlich erlernte ich schon mit 13 das Lesen, obwohl ich mich zu Anfang doch sehr schwer tat. Die Gitarre folgte später – genau genommen spielte ich mit 19 Jahren meinen ersten Akkord, und zwar nicht den A Dur, wie fälschlich angenommen, sondern den F # 4/7/9/16 moll, aber nur, weil mir keiner gesagt hatte, wierum man eine Gitarre hält. Der Rest meiner musikalischen Jugend ist in dem Artikel recht gut zusammengefasst. Und wenn man bedenkt, dass ich seit meiner Geburt nur zwei Finger der linken Hand und die rechte gar nicht bewegen kann, dann sind 5 Akkorde auf der Gitarre, wie ich finde, doch ganz beachtlich.
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Nach ersten größeren musikalischen Engagements im Musikantenstadl und als Songschreiber von Udo Lindenberg wollte ich auch Andere am einsetzenden Erfolg teilhaben lassen. Also sammelte ich drei Jungs auf, die mich auf der Straße um einen Euro anbettelten, drückte zwei von ihnen ein Instrument und dem größten einen Blecheimer in die Hand und nahm sie mit nach Hause. So entstand die Band. Und sie kam sofort groß raus. Ein Gig jagte den anderen, und schließlich waren wir ganz oben angelangt und hatten alles, was wir wollten: Frauen, schnelle Autos, und Frauen. Schon damals aber merkte ich, dass wir uns auf dünnem Eis bewegten. Erfolg macht träge. Immer wieder redete ich auf die Bandmitglieder ein, nicht die Bodenhaftung zu verlieren, aber niemand wollte zuhören. Frustriert zog ich mich immer mehr in mich selbst zurück, suchte Zuflucht im Alkohol und sah schweigend zu, wie wir auf eine Wand zurasten.
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Es ist rückblickend schwer zu sagen, wann genau der Niedergang einsetzte. War es während jenes Konzerts, als unser Schlagzeuger beim letzten Song eine Jägermeisterflasche vom Verstärker warf, sich kurz darauf vom Balkon der Bühne erbrach und dann sofort einschlief? Waren das schon die ersten Anzeichen von Wahnsinn und Zerstörungswut, die die Band am Schluss umschwirrten wie die Fliegen den Honig. Oder war der Zusammenbruch erst viel später unabwendbar geworden, an jenem Tag, als das Publikum eine diletantische Trommelgruppe aus dem Vorprogramm mehr feierte als uns? Jedenfalls, wenn man das Video zu unserem letzten Auftritt sieht, wird man merken, warum es einfach Zeit war, einen Schlussstrich zu ziehen. Dass ich mich danach nicht einfach zur Ruhe gesetzt habe, sondern mittlerweile in anderen Bereichen Karriere mache, wird jeder verstehen, der schon mal im Showbuiz war.
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Jedenfalls schaue ich gerne auf die Zeit mit der Band zurück. Nun, während meines Alkoholentzugs auf Ibiza, merke ich, dass Freundschaft doch mehr bedeutet als Erfolg. Es gibt Wichtigeres im Leben als einen Privatjet, schnelle Autos und eine Wohnung im Empire State Building. Und was sind schon Millionen und Abermillionen von verkauften Platten und ein Leben in Samt und Seide gegen ein paar Bier mit Nr. 1205, Nr. 1754,3 und Nr. 2?

In meinem Herzen werde ich deshalb immer ein Schnitzel bleiben,

Rick




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